Fischlexikon: die Familie "Panzer- und Schwielenwelse (Callichthyidae)"

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Panzer- und Schwielenwelse (Callichthyidae)
Systematik
Familie: Callichthyidae
(Panzer- und Schwielenwelse)
Ordnung: Siluriformes
(Welsartige)
Klasse: Osteichthyes
(Knochenfische)

Callichthyidae (Panzer- und Schwielenwelse)

Die Panzer- und Schwielenwelse (Callichthyidae) bilden eine Familie innerhalb der Ordnung der Welsartigen (Siluriformes).

Schwielenwelse sind meist Einzelgänger und erreichen eine Körperlänge von etwa 7 bis 24 cm. Panzerwelse sind dagegen in der Regel Schwarmfische und erreichen Körperlängen von etwa 2 bis 8 cm.

Viele Panzerwelse, beispielsweise Arten aus den Gattungen Corydoras oder Hoplisoma, sind beliebte Aquarienfische. Größere Arten der Schwielenwelse werden in ihren Heimatländern befischt und dienen der menschlichen Ernährung.


Verbreitung

Panzer- und Schwielenwelse (Callichthyidae) sind reine Süßwasserfische, die aus Südamerika stammen.

Sie sind im Amazonasbecken, im Stromgebiet des Orinoko, im Rio São Francisco, in den Flüssen des atlantischen Brasilien, im Stromgebiet von Río Paraná und Río Paraguay, im Río Magdalena, in einigen Flüssen Panamas und auf Trinidad verbreitet. Mit Ausnahme von Callichthys fabricioi aus Kolumbien kommen Panzer- und Schwielenwelse nur östlich der Anden vor.


Anatomie/Merkmale

Schabrackenpanzerwelse (Scleromystax barbatus)

Schabrackenpanzerwelse (Scleromystax barbatus)

Der Körper der Panzer- und Schwielenwelse ist zwischen Kopf und Schwanzflosse fast vollständig durch 2 Reihen von glatten, dachziegelartig übereinander stehenden Knochenplatten gepanzert.

Die erste Reihe verläuft entlang des Rückens, die zweite an den Körperflanken.

Ihre Seitenlinie ist bis auf einen Rest auf einem bis sechs dieser Knochenplättchen reduziert. Die Schwimmblase ist zweikammerig und von einer Knochenkapsel umgeben.

Der 1. Brust- und Rückenflossenstrahl ist kräftig, stachelartig und arretierbar. Die relativ groß entwickelte Rückenflosse besitzt 7 bis 8 Weichstrahlen. Die Afterflosse ist kurz. Die Bauchflossen beginnen in der Regel unter dem letzten Drittel der Rückenflosse.

Eine Fettflosse ist vorhanden. Vor dieser befinden sich einige kleine, unpaare Knochenplättchen, von denen das letzte als Stachel ausgebildet ist.

Die Augen der Panzer- und Schwielenwelse sind beweglich. Das kleine Maul ist von 1 bis 2 Bartelpaaren umgeben. An Ober- und Unterlippe können sich zudem weitere, kürzere Auswüchse befinden. Die Kiefer können bezahnt oder zahnlos sein, der Zwischenkieferknochen (Prämaxillare) ist jedoch immer zahnlos.

Lebensweise

Panzer- und Schwielenwelse sind reine Süßwasserfische. Sie bewohnen sowohl sauerstoffreiche, schnell fließende Bergbäche ebenso wie große Flüsse, überflutete Areale und sauerstoffarme Sümpfe sowie stehende Gewässer.

Panzer- und Schwielenwelse sind überwiegend dämmerungsaktive Jäger und ernähren sich von größeren Einzellern (Protisten), sehr kleinen Vielzellern (Bärtierchen, Rädertierchen), Würmern und anderen bodenbewohnenden Wirbellosen, vor allem jedoch von Wasserinsekten sowie kleinen Krebstieren.

Bei der Nahrungssuche spüren diese Welse ihre Beute mit Hilfe ihrer Barteln auf. Dabei drücken sie ihren Kopf manchmal bis zu den Augen in den Bodengrund.

Anders als die verwandten Harnisch- und Schmerlenwelse, die nur in sauerstoffarmen Wohngewässern Luft atmen, nehmen alle Panzer- und Schwielenwelse unabhängig von der Sauerstoffkonzentration in ihrem Wohngewässer in regelmäßigen Abständen über das Maul atmosphärische Luft zu sich.

Die Fische schwimmen dazu rasch zur Wasseroberfläche, schnappen nach Luft und tauchen ebenso schnell wieder zum Gewässerboden ab. Der Sauerstoff wird anschließend über den Mitteldarm aufgenommen, die verbrauchte Luft wird über den Anus ausgestoßen. Der Mitteldarm wird dazu intensiv mit Blut versorgt und verfügt über eine reduzierte glatte Muskulatur.

Das Aufnehmen von Luft ist bei den Panzer- und Schwielenwelsen vor allem für das hydrostatische Gleichgewicht wichtig und stellt nur unter sauerstoffarmen Bedingungen eine Zusatzatmung dar.

Während der Trockenzeit sammeln sie sich zu riesigen Gruppen in Restgewässern und können dann auch größere Salzkonzentrationen vertragen.

Arten der Gattungen Callichthys und Hoplosternum können mithilfe ihrer Brustflossenstacheln und schlängelnder Bewegungen austrocknende Gewässer verlassen und neue Wohngewässer aufsuchen. Um Austrocknung zu vermeiden, tun sie dies für gewöhnlich nur nachts. Außerdem schützt sie der Knochenpanzer.

Fortpflanzung

Die Gattungen Aspidoras, Scleromystax, Corydoras und Brochis sind, wie die meisten anderen Welse auch, Substratlaicher und befestigen ihren Laich an Steinen, Blättern oder Wasserpflanzen.

Die Gattungen Callichthys, Megalechis, Lepthoplosternum, Hoplosternum und Dianema hingegen bauen ein Schwimmnest aus Schaum und Pflanzenmaterial, in dem sie ihre Eier ablaichen.

Das Schaumnest hat den Vorteil, dass der Sauerstoffgehalt in der Umgebung der Eier immer relativ hoch ist, was in sauerstoffarmen Gewässern von Vorteil ist. Wahrscheinlich wirkt der Schaum auch antibakteriell.


Krankheiten

Welse sind von Natur aus sehr robuste Fische, die nur selten erkranken. Voraussetzung dafür ist eine artgerechte Haltung, zu der unter anderem das passende Futter und die richtigen Wasserwerte gehören.

Probleme können jedoch auftreten, wenn Welse zusammen mit anderen Fischarten gehalten werden. Werden diese Arten mit kupferhaltigen Medikamenten, wie beispielsweise „Malachitgrün”, behandelt, kann dies für die Welse tödlich sein. Auch Mittel zur Schnecken- oder Algenbekämpfung können Kupfer enthalten!

Zudem können Welse, die durch nicht artgerechte Haltung oder Transportstress geschwächt sind, an bakteriellen Infektionen, Parasiten, Viren oder Mykosen (Verpilzungen) erkranken.

Häufige Krankheiten bei Panzer- und Schwielenwelsen:

  • Infektiöse Bauchwassersucht (bakterielle Infektion)
    Die Infektiöse Bauchwassersucht kann man z.B. an einer extrem angeschwollenen Bauchseite eines Fisches erkennen [weiterlesen...]
  • Columnaris-Krankheit (bakterielle Infektion)
    Die Maul- oder Flossenfäule oder "Columnaris-Krankheit" wird manchmal auch als Maulschimmel oder Maulfäule bezeichnet [weiterlesen...]
  • Bakterielle Kiemenschwellung (bakterielle Infektion)
    Die Kiemen schwellen an, verfärben sich oder werden zerstört, was zu Atemnot führt [weiterlesen...]
  • Weißpünktchenkrankheit (Ichthyophthiriose) (parasitärer Befall)
    Erste Anzeichen sind Bewegungsunlust und Nahrungsverweigerung. Nach wenigen Tagen zeigen sich die namensgebenden weißen Pünktchen der herangewachsenen Parasiten in der Haut [weiterlesen...]
  • Pilzerkrankungen (Mykosen)
    Mykosen treten immer als Sekundärinfektionen auf. Die Pilze befallen also das zuvor durch Verletzungen oder andere Krankheiten geschädigte Hautgewebe [weiterlesen...]
  • Crackhead"-Krankheit
    Diese bei Clarias-Arten bekannte Erscheinung geht mit Rissen im Schädel einher. Die genaue Ursache ist unklar, sie wird aber oft mit schlechter Wasserqualität und Überfütterung in Verbindung gebracht
  • Verfettung und Organschäden
    Da Clarias-Welse sehr gierige Fresser sind, kann zu energiereiches oder falsches Futter schnell zu einer Verfettung der Leber und anderer innerer Organe führen.
  • Verletzungen oder Verlust der Barteln
    Eine Folge von scharfkantigem Bodengrund oder einer hohen Bakterienlast im Substrat, die zu Entzündungen führt.

Systematik

Äußere Systematik

Panzer- und Schwielenwelse gehören zur Unterordnung Loricarioidei bzw. zur Überfamilie Loricarioidea. Sie bilden gemeinsam mit den Harnisch-, Kletter- und Stachligen Zwergwelsen ein Schwestertaxon.

  • Loricarioidea:
    • Bleistiftwelse (Nematogenyidae)
    • Schmerlenwelse (Trichomycteridae)
    • Panzer- und Schwielenwelse (Callichthyidae)
      • Stachlige Zwergwelse (Scoloplacidae)
        • Harnischwelse (Loricariidae)
        • Kletterwelse (Astroblepidae)

Innere Systematik

Zur Familie der Panzer- und Schwielenwelse (Callichthyidae) zählen etwa 200 Arten, die sich auf 9 Gattungen und 2 Unterfamilien verteilen.

Unterfamilie Panzerwelse

Die Arten dieser Unterfamilie (Corydoradinae) werden 3 bis 12 Zentimeter lang. Sie sind hochrückig und seitlich abgeflacht. Ihre Schnauze ist rund oder seitlich abgeflacht und mehr oder weniger lang; einige Arten weisen eine eingebuchtete Sattelschnauze auf. Die Barteln sind kurz. Es sind Schwarmfische und Substratlaicher.

Unterfamilie Schwielenwelse

Die Arten dieser Unterfamilie sind langgestreckt, spindel- oder walzenförmig. Ihre Schnauze ist abgeflacht, ihr Maul ist klein und unterständig. Die Oberkieferbarteln sind lang. Schwielenwelse leben eher solitär und bauen ein Schaumnest. Einige Arten können Laute erzeugen.


Literaturhinweise:

  1. Wikipedia
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